Am Aschermittwoch ist alles vorbei!

Die Klänge der feucht-fröhlichen Fastnachtsenthusiasten hallen noch nach. Dabei wissen wir alle: Das Leben ist kein ununterbrochenes Fest und am Aschermittwoch geht das Leben weiter. Die Frage ist nur wie?

Viele Menschen nutzen die Tage von Aschermittwoch bis Ostern für ihre persönliche Fastenzeit: nicht Rauchen, nichts Süßes essen, kein Alkohol, täglich etwas sportliche Bestätigung – Winterspeck ade! Oder lieber Konsum reduzieren, kompletter Verzicht auf Nahrung, Shopping, Fernsehen, Social Media, Auto oder Überstunden? Je nach Neigung allein oder in Gruppen, selbst organisiert oder von Dienstleistern! Dass Fasten unabhängig von Nation, Geschlecht und Weltanschauung Bedeutung hat weiß die Lifestyle-Industrie längst!

Das Erlebnis, einen Vorsatz geschafft und umgesetzt zu haben ist wichtig. Und es fühlt es sich gut an! Warum auch nicht? Ist es jedoch ein Ausdruck des verinnerlichten Leistungsprinzips – nun in „spiritueller“ Dimension – dann kann die gute Absicht schnell ins Gegenteil umschlagen: Derjenige, der seine Ziele erreicht, wird noch erfolgsbetonter. Derjenige, der es nicht geschafft hat, fühlt sich nicht besser. Bisweilen stellt sich Überheblichkeit oder das schlechte Gewissen ein.

Fasten in seinem Ursprung ist weder religiöse noch säkulare Leistung. Es ist ein Weg in die Achtsamkeit und führt zu größerer Selbstwirksamkeit. Fasten durchbricht die unhinterfragten Abläufe des Alltags, die wir gerne Konvention, Gewohnheit oder – im schlimmsten Fall – Anforderung und Pflicht nennen. Kennen Sie solche Formulierungen? „Man tut das so“ – „es gehört sich“ – „ich habe keine Zeit“ – „ich würde gerne“ – „ich sollte“ – „ich müsste“ …

Ein Arzt, der nach ganzheitlichem Ansatz praktiziert und mich vor Jahren wegen meiner Rückenschmerzen behandelte, antwortete mir auf mein schuldbewusstes Selbstbekenntnis: „Ich weiß, ich müsste mehr Sport treiben!“ „Wenn Sie diese Haltung haben und mit Druck, weil´s vernünftig ist etwas machen, dann lassen Sie es besser. Sie schaden sich damit mehr, als sie sich gutes tun.“ Mit dieser Aussage hat der Arzt bei mir eine nachhaltige Veränderung bewirkt! Ich bin ihm heute noch dankbar. Mein Rücken auch!

Alle Kulturen kennen Zeiten des Fastens oder Rituale für Personengruppen und Handlungen. Schon Aristoteles, der schlaue Grieche, stellte lapidar fest: Metron ariston! Immer wieder das rechte Maß zu finden ist eine echte Lebenskunst! Für meine bayerischen Freunde: es geht nicht um die rechte Maß zum Starkbieranstich! Wenn auch hier gilt: Maßhalten will gelernt sein.

Die Fasten-Zeit persönlich nutzen bedeutet: Zeit für mich selbst, Zeit mit mir selbst, sensibel werden für das, was wirklich wichtig ist und wovon ich lebe. Fasten als Frühjahrscheck zum Leben entlarvt die Abhängigkeiten und Tretmühlen, die Überheblichkeit des Leistungsdenkens, Druck- und Machtgefüge, entmachtet die inneren Antreiber und mach stark. Es schärft die Wahrnehmung, wie viel uns im Leben geschenkt wird und dass Wesentliches im Leben nicht zu kaufen ist. Die Aufmerksamkeit für die eigenen Bedürfnisse und Träume, was wirklich leben lässt, ist mutig, ehrlich und macht dankbar, froh und stärkt das Selbstvertrauen. Es wird deutlich: Was brauche ich tatsächlich? was will ich? Was ist wirklich nötig? Was tut mir gut? Was will ich nicht mehr? Was oder wer schadet mir? Was bekomme ich täglich geschenkt?

Oft genügen kleine Schritte im Alltag. Drei konkrete Anregungen:

  1. Gehen Sie täglich 30 Minuten spazieren, raus an die Luft, in die Natur. Gönnen Sie sich ihre persönliche Zeit.
  2. Setzen Sie sich hin und schließen Sie für 10 Minuten die Augen. Erleben Sie, was Sie wie wahrnehmen! Was fällt Ihnen auf? Wie fühlt sich das an? Wie geht es Ihnen danach?
  3. Ein Tagesabschlussritual, für das 10 Minuten genügen (ich mache das im Bett vorm Einschlafen): Gehen Sie in Gedanken den Tag durch. Erinnern Sie sich, was sie alles getan haben. Dann überlegen Sie, egal wie unbedeutend es scheint, was Ihnen gut gelungen ist, worauf Sie stolz sein können. Glauben Sie mir: wer finden will, der findet! Ich schlafe schnell ein mit einem inneren dankbaren Lächeln.

Probieren Sie es aus! Mal gelingt´s, mal nicht. Es geht nicht um Leistung. Es geht um Sie!