Mitarbeiterausfälle aufgrund psychischer Erkrankungen steigen weiter an

Neulich hörte ich beim Abendessen mit Bekannten den Satz: „Das Management will wissen, was es von Maßnahmen hat, wie sich das auszahlt für’s Unternehmen! Nur damit sich die Mitarbeiter wohler fühlen, wollen wir doch nicht in Maßnahmen investieren. Alles Psychokram …“

Heißt das jetzt: Leistung – gut, Wohlfühlen – schlecht? Der Umkehrschluss aus obiger Haltung lautet dann vermutlich: Je unwohler sich die Mitarbeiter fühlen, desto leistungsfähiger sind sie!

In Industrie und Wirtschaft lautet das Credo „Z-D-F“: Zahlen-Daten-Fakten. Selbstverständlich ist von „hard facts“, „hard skills“ die Rede. Die Zahlen, Daten und Fakten des aktuellen Fehlzeitenreports 2016 des wissenschaftlichen Instituts der AOK sprechen eine eindeutige Sprache. Grundlage sind die Daten der knapp 12 Millionen Versicherten der AOK.

Seit 2004 nahmen die Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen um 72 Prozent zu. Im Jahr 2015 führte dies zu einer durchschnittlichen Ausfallzeit von 25,6 Tagen pro Krankheitsfall dieser Diagnosegruppe. Im Zusammenhang mit der Arbeitstätigkeit stehen psychische Beschwerden wie Erschöpfung, Ausgebranntsein, Nervosität und Reizbarkeit, Schlafstörungen und Konzentrationsprobleme neben physischen wie Rücken- und Gelenkbeschwerden, Kopfschmerzen und Herz-Kreislauferkrankungen. Was das an betriebs- und volkswirtschaftlichen Kosten verursacht, sollten die Verantwortlichen in ihren Unternehmen im eigenen Interesse einmal sorgfältig berechnen. Die TK hat bei Mitgliedern für das Jahr 2015 ganze 5,5 Millionen Arbeitsunfähigkeitsfälle erfasst, die zu 72 Millionen Fehltagen führten (Gesundheitsreport 2016)! Was den Unternehmen und Organisationen dadurch an Wissen und Kompetenz der ausfallenden Mitarbeiter verloren geht, ist dabei noch gar nicht erfasst.

In direktem Zusammenhang stehen eine schlechte Unternehmenskultur und ein erhöhtes gesundheitliches Risiko. Das ergab die Befragung von rund 2.000 Beschäftigten (Fehlzeitenreport 2016 der AOK). 25 Prozent der Befragten, also jeder vierte Arbeitnehmer, der die Unternehmenskultur als schlecht bewertet, erlebt sich gesundheitlich dadurch beeinträchtigt.

Welche Konsequenzen ziehen die Verantwortliche aus diesen Daten? Letztere sind übrigens nicht neu, sondern bestätigen die seit Jahren anhaltende Entwicklung! – Es lohnt sich in betriebliches Gesundheitsmanagement und in Führungskräfteentwicklung zu investieren. „Soft skills“ werden nunmal schnell zu „hard facts“!

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