Ein „High-Performer“

Unterwegs, Sommernacht, leere Autobahn, Mitternacht, die letzte Raststätte vorm Ziel: der Hunger plagt mich. Ich entschließe mich zum Nachtimbiss.

In der Gaststätte am Rastplatz sind keine Menschen. Die Mitarbeiterin räumt auf. Ich schaue in die Auslage mit den Überbleibseln des Tagesbetriebes.

Ich bestelle bei der Mitarbeiterin und betrachte sie. Ist sie nicht schon im Rentenalter? Will sie oder muss sie um diese Zeit arbeiten? Eine ruhige, ältere Frau, deren Gesichtszüge zeigen: dieser Mensch hat eine Geschichte.

„Und Sie haben Dienst die ganze Nacht?“ frage ich. „Ja, bis morgen früh“, antwortet die Angesprochene mit einer ruhigen Art, die mich irgendwie fasziniert. Während Sie mir die Bratkartoffeln und das Schnitzel portioniert – auf meinen Wunsch gibt´s noch einen Nachschlag Sahnepilzsoße – ergänzt sie: „Für mich passt das gut so. Ich habe ja einen kranken Mann zu Hause. Den muss ich tagsüber versorgen. Schon seit sieben Jahren. Schlaganfall.“ – „Oh“, erwidere ich, „da haben Sie sicher schon einiges mitgemacht!“ Unsere Blicke treffen sich. Es braucht keine weiteren Worte.

Ich denke noch lange an diese Frau und jedes Mal wenn ich an der Raststätte vorbeifahre, schicke ich ihr lächelnd einen inneren Gruß. Sie hat mich beeindruckt ohne großes Aufsehen. Ich denke mir: Diese Frau ist ein „High-Performer“! Und ich nehme etwas mit von ihrer Haltung. Diese Begegnung: ein Geschenk des Augenblicks.

2017-09-13T19:10:11+00:00