Sich immer wieder aufrichten

Diese Figur steht unterhalb einer Pilgerherberge in Santiago de Compostela: Schwere Betonklötze machen das Weiterkommen unmöglich und der Ziehende plagt sich ab. So geht es vielen, die sich auf eine Pilgerreise machen: Ob ein erkranktes Kind, die verstorbene Mutter oder eine zerbrochene Beziehung – es gibt vieles was auf dem Herzen liegt und durch das Leben gezogen wird.

Als Mitarbeiterin in der Pilgerseelsorge darf ich in Santiago, im Norden Spaniens, für einige Wochen arbeiten. Diese bedeutende Metropole zieht Jahr für Jahr unzählige Pilger und Touristen aus der ganzen Welt an. In den Sommermonaten schlängeln sich zahllose Touristen auch durch diese Stadt und gehen auf Tuchfühlung mit anderen Kulturen. Manchmal springt das Lebensgefühl auf uns über und wir genießen „La Dolce Vita.“

Die Pilger aller Generationen tragen mitunter nicht nur schwer an ihrem Rucksack, sondern auch an ihren Sorgen und Lasten von Zuhause. In unserem Projekt kümmern wir uns um die Ankommenden, feiern Gottesdienste in unserer Sprache, leiten Gesprächsrunden und Führungen und bieten unsere Hilfe an. Sie bringen uns Vertrauen entgegen, wir erleben sehr persönliche Momente und hören von kleinen und großen Veränderungen bei den Menschen – und das berührt uns sehr. Das macht uns dankbar und motiviert für das eigene Leben.

Wie gut ist es, Orte zu haben, wo ich etwas von der Last ablegen darf. Dies kann ein gutes Gespräch sein, ein stiller Moment in der Kathedrale, Musik, die unser Herz berührt und einiges mehr. Eine Pilgerin hat es so formuliert: „Wir sind oft so mit uns und unseren Sorgen beschäftigt und schauen dabei ständig auf unsere Füße und den Boden. Dabei vergessen wir den Blick nach oben, der uns aufrichtet und neu sehen lehrt.“

Ich wünschen Ihnen viele aufrichtende Momente!

Ein Beitrag von Tanja Kaminski.

Tanja Kaminski, Jahrgang 1973, arbeitet als Gemeindereferentin in der Pfarrei Bad Ems/Nassau. Nach der Erzieherinnenausbildung entschied sie sich für den Dienst als Seelsorgerin und absolvierte die entsprechende Ausbildung für das Bistum Limburg an der Fachakademie Mainz. Schwerpunkte ihrer Tätigkeit sind die Begleitung von Kindertagestätten, Religionsunterricht, Kranken- und Trauerseelsorge.

Persönlich ist sie vom Jakobsweg begeistert. Seit der ersten Pilgerstrecke 1995 pilgert sie immer wieder verschiedenste Wege innerhalb und außerhalb Spaniens. Seit drei Jahren engagiert sie sich in der deutschsprachigen Pilgerseelsorge in Santiago de Compostela. Dieses Projekt, in dem Ehrenamtliche einen Teil ihres Urlaubes für die Betreuung der in Santiago ankommenden  Pilger zur Verfügung stellen, wird vom Auslandssekretariat der Deutschen Bischofskonferenz organisiert.

Kontakt: t.kaminski@badems.bistumlimburg.de

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2017-09-13T18:17:01+00:00